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geschrieben am: 03.06.2005 um 10:36 Uhr
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Ich würde mich schon seiner annehmen, keine Sorge. Ich würde dafür sorgen, dass er die Orte sieht, die er sehen will. Er würde ein großer Maler werden, weil er mehr sehen und erleben würde, als jeder Mensch zuvor. Du siehst also, Felice, auch deine Liebe muss dich nicht beunruhigen. Aber was wäre ich für ein Wesen, wenn ich mir nicht mehr vorstellen könnte, als diese beiden Gründe? Ich vermute, dass ich deinen Stolz verletz habe. Deinen schwachen, menschlichen Stolz. Ich habe dir mein Geld aufgezwängt und dir dann auch noch gesagt, was es für eine Verschwendung wäre es zu spenden. Ja, ich habe dich gekränkt und jetzt sitzt du vor mir, wie ein Fünfjähriger, schweigend und schmollend. Natürlich, du würdest dir wünschen, dass die Reichen – Leute, wie ich – Geld spenden würde, damit man die Forschung vorantreiben kann. Vielleicht würde man ein Mittel entdecken, was das Wachstum des Geschwürs in deinem Kopf aufhalten würde, vielleicht würdest du fünf, zehn, oder zwanzig Jahre länger leben! Du würdest sehen, wie Vico aufwächst, wie er seine ersten Gemälde verkauft, du würdest noch lange mit ihm lachen und spielen können! Und selbst wenn nicht, selbst wenn die Forschung zu langsam wäre um dein eigenes, kleines Leben zu retten, so würden doch irgendwann Methoden erfunden werden um Menschen, wie dir zu helfen. Niemand müsste mehr an einem Tumor sterben. Es wäre eine lächerliche Vorstellung, mindestens genauso lächerlich, wie die an einem Schnupfen zu sterben. Aber, Felice, ich glaube du weißt nicht, mit was für einem Monster, was für einem Raubtier du dich abgibst. Vielleicht blendet dich die Tatsache, dass ich aussehe, wie ein Mensch, dass ich rede, wie du, dass ich lächele und singe, einen gewissen Anstand habe… aber vergiss nicht, ihr Menschen seid für Wesen wie mich Beute, Nahrung, so wie Kühe und Schweine für euch. Ihr seid nicht mehr. Dass du und dein Bruder noch am Leben seid, verdankt ihr meinem schwachen Geist, meinem Hang für das Schöne. Ja, ich werde euch mit meinem eigenen Leben beschützen, wenn es sein muss, aber das ist eine Ausnahme. Also geh nicht zu hart mit mir ins Gericht. Eine Spende ist aus meinem Blickwinkel verschwendetes Geld. Nach hundert Jahren sind die meisten Menschen tot, ihre Kunstwerke überleben jedoch. Ist es nicht auch eine gewisse Art des Spendens, wenn man einen Künstler unterstützt? Doch, bestimmt… nun ja, dann spende auch ich.
Ach, Felice… wie musst du dich nur fühlen? Du reist mit zwei völlig Unbekannten, aus einem Grund, den du nicht kennst, nimmst Risken auf dich! Warum? Willst du noch ein letztes Abenteuer erleben? Ich würde es dir nicht verdenken. Deine Zeit ist begrenzt, sehr begrenzt. Verschwende sie doch nicht damit in unangenehmen Gefühlen zu ertrinken. Freue dich! Lache! Rede! Ah, ich werde euch Menschen nie verstehen…
Lucien griff nach der Wasserflasche, dabei berührten seine kühlen, zarten Finger Felice’ Hand. Für ihn war es kein Problem in der vollkommenen Dunkelheit zu sehen und so schenkte er mit einer Eleganz, die nicht menschlich war, das Wasser in das dafür vorgesehene Glas, das er dem Menschen reichte.
„Verzeih mir, Felice. Ich habe dich verletzt mit dem was ich gesagt habe. Wie geht es deinem Bruder? Schläft er noch?“
Er überschlug die Beine und schaute in das Gesicht des Italieners. Oh, so viel Schmerz in einem so jungen Körper. Die Welt ist ungerecht und das fühlen immer die falschen. Ja, Künstler haben ein schweres Leben.
„Ah, und bevor ich es vergesse: Erlaube mir dir eine kleine Freude zu machen! Ich dachte, dass wir, wenn wir in Wien sind einen Freund von mir besuchen. Er ist Schriftsteller und hat der Wiener Universität Expressionismus studiert. Nachdem ich das Buch, das du gelesen hast, gesehen habe, dachte ich mir, dass es dich vielleicht interessieren würde dich mit ihm auszutauschen. Wenn du nichts dagegen hast, würden wir anschließend eine Ausstellung besuchen damit auch Vico etwas von dem Wienaufenthalt hat. Natürlich nur, wenn er bis dahin keine Erkältung bekommen hat, oder ähnliches. Ach, es ist wirklich tragisch, dass uns nur drei Tage in Wien bleiben. Die Stadt wird euch beiden gefallen. Viele Künstler leben dort. Wenn man durch die Straßen geht, ist man überall von Schönheit umgeben. |
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