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Nutzer: FeliceFoscari
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geschrieben am: 20.04.2005    um 18:44 Uhr   
Als sie aus dem schäbigen Gebiet kamen und langsam die Klasse der wohlverdienenden Leute erreichten, sah sich Felice aufmerksam um. Zugegeben, er selbst war nicht oft in Florenz gewesen, da sollte man mal die Chance nutzen, wenn man sie schon hatte. Ihr Heimatort war Mailand gewesen, die Stadt der Mode. Sie hatten also eine kurze Reise hinter sich gebracht, doch wo würden sie denn jetzt hingehen? Italienische Grenze, das heißt also entweder nach Frankreich, nach Österreich, nach Schweiz oder nach Slowenien. Und dann, was machen sie dann dort? Beziehungsweise, was macht Felice dann?
Ja, Felice, was machst du dann? In Frankreich kennst du dich noch halbwegs aus, doch in den anderen Ländern sieht es definitiv schlecht aus. Mit deinem Bruder im Anhang kannst du nicht ziellos durch die Welt eiern, du brauchst Hinweise! Aber, die Hinweise befanden sich bei einer Person, die er nicht leiden konnte. Egal, da musste er eben einmal in den sauren Apfel beißen!
Vico hatte sich auf leisem Befehl zu Felice gesellt, da jener befürchtete, er würde in der aufkommenden Masse untergehen. Nach einigen schnelleren Schritten hatten die Gebrüder die Spitze in Form zweier Lebewesen – so sah es zumindest äußerlich aus – erreicht. Felice räusperte sich dezent und machte auf sich aufmerksam, es war ihm egal, ob er sie eventuell bei etwas Wichtigem stören würde.

„Entschuldigt die Frage, aber wohin geht es denn genau? Ich habe so gut wie keine Ahnung und dachte mir soeben, ich sollte dies vielleicht ändern. Schließlich gehe ich nicht jeden Tag mit wildfremden Menschen auf große Reise, nicht wahr?“
Mit einem schmunzelnden – oder eher spöttelnden – Lächeln wartete er geduldig auf eine Antwort, auch wenn sie Ewigkeiten dauern würde.
Der Kleinste in der Gruppe hatte sich an Felice Jacke geklammert – da dieser ja keine Hand abdrücken konnte – und gähnte leise auf. Klar, er wurde langsam müde, denn schließlich war er es nicht gewohnt, so lange wach zu bleiben. Plötzlich zuppelte er auch am Ärmel seines großen Bruders.

„Du, Felice, ich bin müde! Können wir nicht eine Pause machen? Wie weit ist es denn noch?“
Die typischen Kinderfragen auf Reisen, die einen irgendwann in den Wahnsinn treiben konnten. Der Bruder sah zu Vico hinab.

„Es ist sicher nicht mehr weit, keine Sorge.“
Hätte er die blöden Koffer nicht bei sich, würde er ihn tragen, aber…, hm, er könnte sie natürlich irgendwo hinstellen, aber neue Sachen kaufen war zu riskant, denn er kannte seinen Vater und die Macht, über Kontobewegungen einen Standort herauszufinden.
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Nutzer: LucienAmadeus
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geschrieben am: 20.04.2005    um 19:13 Uhr   
Nach einer halben Stunde erschien das Bahnhofsgebäude vor ihnen, groß und eindrucksvoll. Selbst um diese Uhrzeit herrschte hier noch Hochbetrieb. Man hörte das Quietschen der Bremsen, die die schweren Züge zum Halten brachten, die mechanischklingenden Ansagen aus den Lautsprechern und das allgegenwärtige leise Murmeln der Stadt. Es war noch eine Viertelstunde von hier aus. Auf Luciens Lippen breitete sich ein Lächeln aus. Florenz… du hast mir mein Herz geraubt. Du mit deinen kleinen Gassen und breiten Straßen. Nirgendwo sonst auf der Welt sind die Nächte so wundervoll, wie hier. Bevor der Franzose aber weiter in seinen Erinnerungen und Gedanken versinken konnte, drängte sich die Stimme des Jungen in seinen Kopf. Mit einem gutmütigen Lächeln, das das spöttische Verziehen der Lippen zu beschwichtigen suchte, antwortete Lucien ruhig.
„Wir reisen zunächst nach Österreich. Warst du schon mal da?“
Dann fiel sein Blick auf den quengelnden Jungen, der an Felice Jacke zupfte.
„Eine Pause können wir nicht machen, aber wenn du willst, trage ich dich das Stück.“
Der seltsame Schwarzhaarige ging in die Knie, so dass der Junge, wenn er denn wollte auf seinen Rücken klettern konnte. Rasmus blieb überrascht stehen und kratzte sich am Nacken.
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Nutzer: FeliceFoscari
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geschrieben am: 20.04.2005    um 20:44 Uhr   
„Nein ich, ich war noch nie in Österreich.“
Verdammt! Warum nicht Frankreich? Komm schon, du kommst doch aus Frankreich! Was willst du denn in Österreich?
Er wollte diesen Aspekt zur Aussprache bringen, doch dann sah er, wie sich Felice zu seinem Bruder kniete. Skeptisch sah Vico zu Felice auf, als müsste er von ihm auf ein o.k. warten. Tatsächlich, er nickte zumindest.

„Mach es ruhig, Kleiner. Die Reise dauert noch und somit kannst du dich ausruhen.“
„Okay… .“
Vorsichtig näherte sich der Kleine, der schließlich die zarten Hände auf Luciens Schulter legte. Er wartete ab, bis er hochgehoben wurde, und wirkte dabei noch sichtlich verkrampft. Tja, so eine halbe Entführung steckt man eben nicht so leicht weg.
Als der Jüngste zumindest versorgt schien, warf Felice Rasmus einen kurzen Blick zu, ehe er sich wieder an Lucien wendete.

„Erm, wieso denn gerade Österreich? Wäre Frankreich nicht – eh, plausibler?“
Gut, es ist eine Sache, die ich zumindest verkraften könnte. Ach, wer weiß, wer wei߅ . Ich gehöre den Foscaris an, die fanden bislang immer einen Weg in der Not. Diese Eigenschaft kann ja nicht so ohne Weiteres an mit vorbeigeschwommen sein, nicht wahr?
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Nutzer: LucienAmadeus
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geschrieben am: 20.04.2005    um 21:18 Uhr   
„Dann hast du was verpasst. Nirgendwo auf der ganzen Welt kann man sich schönere Opern, als in der Wiener Oper ansehen. Wenn du einmal Carmen oder die Zauberflöte gesehen hast, wirst du verstehen was ich meine. Vielleicht bleibt sogar Zeit für einen Opernbesucht. Ach, was sage ich: Natürlich bleibt Zeit!“
Lucien hob den Jungen auf seinen Rücken. Er versicherte sich, dass er Halt hatte und nicht hinfallen konnte, als er weiter ging. Als er einen Blick zu dem braunhaarigen Italiener neben sich warf, runzelte er aber die Stirn.

„Was schaust du denn so missmutig, Rasmus?“
„Ach, ich finde einen Opernbesuch nicht ganz so passend. Allegro wird wütend werden.“
„Ich glaube, das kann ich besser einschätzen, als du. Außerdem hast du damit nichts zu tun. Du verlässt uns an der Grenze.“
„Na ja, aber ich bin dein Freund und finde es nicht ganz so toll, wenn du dich eigenhändig in Schwierigkeiten manövrierst.“
Lucien seufzte nur, nickte dann aber. Vielleicht war es einfach besser, wenn Rasmus seinen Glauben behielt und ihn dafür in Ruhe ließ. Vico stellte keine Last für ihn da, obwohl er so zerbrechlich wirkte. Sein Gang war noch immer federnd, auch, als sie schon fast einen halben Kilometer gelaufen waren. Schließlich sah er zu Felice herüber.

„Oh, hört man mir an, dass ich aus Frankreich komme? Entschuldige, ich werde diesen Akzent einfach nicht los.“
Auf diese Art und Weise blieb die Antwort des Jungen unbeantwortet, aber Lucien hatte andere Sorgen. Heute war der 04. April. Am 06. wurden sie in Wien erwartet, wo er neue Instruktionen erhalten sollte. Oh, wie er es hasste nichts auf eigene Faust unternehmen zu dürfen. Er ahnte schon jetzt, wie es weiter gehen würde, und es gefiel ihm nicht.

„Vielleicht sollten wir nachher im Zug schauen, was wir von euren Sachen nicht brauchen. Es ist schließlich nicht so bequem mit zwei Koffern zu reisen. Wenn ihr dann irgendwas braucht, kaufe ich es euch. Wir nehmen am besten nur das Nötigste mit.“
Sie betraten das Bahnhofsgebäude. Hier war die Luft stickig und schwanger von Stimmgewirr. Wenn man sich verstehen wollte, musste man schreien. Luciens Bergseeaugen glitten umher und suchten die Anzeigetafel. Ah, da war sie ja. Florenz – Wien; 21:48 Uhr; Gleis 14. Er nickte Rasmus zu, der nickte und vorging. Wie es aussah, war er ohnehin einer der schweigsamen Art, wenn er nicht mit Lucien redete.
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Nutzer: FeliceFoscari
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geschrieben am: 20.04.2005    um 22:06 Uhr   
Wer hier am meisten Schweigen wollte, war Felice nun relativ egal. Er wusste nur, dass seine Arme von dem Gepäck langsam taub wurden und er dringend auf die Toilette musste. Argh, diese Dinge erledigte man doch immer vor einer Abreise, nicht wahr? Gut, er sollte sich dass das nächste Mal hinter die Ohren schreiben, doch aus Fehlern lernt man eben schnell.
Gebannt lauschte er dem Gespräch zwischen Rasmus und Lucien. Dies tat er aber auch nur, weil er sonst nichts anderes hatte, was ihn gerade unterhielt oder interessierte. Später, wenn sie im Zug waren, würde er die Zeit mit einem guten Buch vertreiben und Vico beim Schlafen zusehen, so, wie er es öfter getan hatte. Irgendwie waren dies zwei wichtige Dinge in seinem Leben, die noch zu seinem Seelenheil beitrugen. Da er keine genaue Antwort auf die Sache mit Frankreich bekommen hatte, beließ er es dann auch dabei, nichts Genaues wegen der Oper zu äußern, schließlich stand dies ja sowieso noch offen. Wegen der Sache mit dem Akzent äußerte er sich jedoch.

„Äh, der Akzent – ja. Aber auch der Nachname. Meine Eltern kennen eine Familie in Frankreich, die denselben Nachnamen trägt.“
Darum hatte er zu Anfang wohl geglaubt, dass Lucien ein Spion war, der von seinem Vater angeheuert wurde. Das konnte zumindest heißen, dass Felice keine guten Erfahrungen mit dieser Familie gemacht zu haben schien. Wohl auch darum der kleine Hass gegenüber Felice selbst? – Spekulationen! Das sollte hier nicht weiter erläutert werden.
Der kleine Vico war eingeschlafen, als sie den Bahnhof endlich erreicht hatten. Den Ratschlag von Lucien wegen den Klamotten nahm er sich zu Herzen, aber auch nur, weil er so was Ähnliches im Augenschein gehabt hatte.

„Ja, das mache ich, wenn wir im Zug sitzen und mir nicht alle dabei zusehen. Zudem brauchst du uns keine neuen Kleider kaufen, ich besitze selbst Geld, glaub mir… .“
Auch wenn ich nicht gerade den Anschein mache, habe ich Geld. Die mailändische Mode ist war komplett an mir vorbei gangen, aber ich fand noch nie, dass es an den Klamotten liegen muss, um jemanden seinen Status zu zeigen.
Als sich die anderen wieder in Bewegungen setzten, tat dies auch der Italiener. Er folgte ihnen noch ziemlich brav und besah sich die vielen Leute, die hier herum wuselten. Ganz besonders interessiert einen Wachmann, der gerade einen jungen Teenager abtastete. Tja, so was gab es eben auch im schönen Florenz.
Geändert am 20.04.2005 um 22:13 Uhr von FeliceFoscari
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Nutzer: LucienAmadeus
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geschrieben am: 20.04.2005    um 22:40 Uhr   
Oh, also ein Familienstreit. Das gab der Sache eine gewisse Würze, wie Salz einer Suppe. Lucien hatte sich nicht die Mühe gemacht die Gedanken des Menschen auf diese expliziten Dinge zu durchsuchen. Natürlich, in Frankreich musste es viele Familien mit diesem Namen geben, da war es nicht seltsam, dass Felice eine Familie mit diesem Namen kannte.
„Na ja, das soll vorkommen, hab ich mir sagen lassen, aber ich kann dir versichern, dass ich nichts mit ihnen zu tun habe. Meine Verwandten sind entweder tot, oder haben andere Familiennamen. Vielleicht lebt irgendwo in Sibirien noch eine Großcousine dritten Grades, aber das ist schon sehr unwahrscheinlich.“
Der Junge auf seinem Rücken verlagerte das Gewicht unnatürlich, und Lucien erahnte, dass er eingeschlafen war. Das entlockte ihm ein Lächeln. Lächeln, eigentlich war es eine unnatürliche Reaktion für seinen kalten Körper, so etwas, wie ein antrainierter Reflex. Das wurde ihm so schlagartig klar, dass er es fast schockierend fand. Hatte er sich so weit von sich selbst entfernt? Es schien fast so…
Rasmus stieg die Treppe zu den Gleisen auf. Hier wurde es weniger eng, denn nur wenige Menschen wollten um diese Uhrzeit nach Wien. Einige Geschäftsmänner saßen in ihren schwarzen Anzügen auf den Wartebänken, oder starrten ungeduldig auf ihre teuren Armbanduhren. Alles war so wie immer. Oben angekommen zeigte das große Ziffernblatt der Bahnhofsuhr 22:40Uhr. Gut, noch acht Minuten. Lucien suchte den älteren der beiden Brüder.

„Wie du möchtest. Wenn du dir die Reise selbst finanzieren kannst, zahl selbst. Anderenfalls komm auf mich zurück. Es ist kein Problem für mich für euch beide aufzukommen.“
Die harten, dunklen AugenÂ… auf andere Menschen wirkst du sicherlich selbstbewusst und erwachsen, aber etwas sagt mir, dass das nur ein Teil ist. Der andere Teil sehnt sich danach das nachzuholen, was man ihm bis jetzt verboten hat, ist es nicht so?
Mit quietschenden Reifen rollte der Zug ein. Lucien sah ihm entgegen, wandte sich dann aber wieder Felice zu.

„Kannst du die Zugfahrt bezahlen?“
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Nutzer: FeliceFoscari
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geschrieben am: 20.04.2005    um 23:01 Uhr   
Oh Lucien! Frag mich noch einmal solche Dinge, die ich eigentlich vorab schon erklärt habe, und ich überlege mir das ganze Unternehmen hier noch mal neu.
„Natürlich kann ich bezahlen.“
Punkt. Mehr bekam Lucien da nun nicht mehr zu hören. Sicher, er würde einen Aufpreis blechen müssen, aber im Endeffekt hatte er damit ein ruhigeres Gewissen, als die Tatsache, finanziert worden zu sein.
Der einfahrende Zug und das Quietschen ließ Vico aus Luciens Rücken langsam wieder wach werden. Mit müden, halboffenen Augen blinzelte er durch die Gegend. Zuerst sah er Rasmus, konnte diesen aber gerade nicht ganz zuordnen, und dann sah er seinen Bruder, nicht unweit von Lucien, der auf den Zug sah. Mit einem kurzen Schmatzen bettete er seinen Kopf wieder auf Luciens Schulter, die irgendwie kalt erschien, aber dennoch gut zum Schlafen war.
Felice wartete, bis die anderen als Erstes in den Zug stiegen. Vielleicht hatten sie reserviert, oder so was in der Art. Vielleicht hatte er auch Glück, dass er sich nicht in ihre Nähe setzten musste. Als sie in den haltenden Zug stiegen, bettete um ein klein wenig Glück. Es würde alles zumindest erleichtern… .
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Nutzer: LucienAmadeus
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geschrieben am: 20.04.2005    um 23:34 Uhr   
Bis der Zug vollständig zum Stehen kam, und die Türen sich öffneten, vergingen zwei weitere Minuten, in denen sich Lucien zu Rasmus gesellte, der auf einen Mann im Zug deutete. Lucien schien das zu beunruhigen, denn er nickte nur und ging fünf Meter zur Seite, so dass man ihn nicht mehr sehen konnte.
Schließlich stieg Rasmus aber zuerst in den Zug, gefolgt von Lucien und Vico und schlussendlich hoffentlich von Felice. Hier drinnen roch es nach Leder, als wären die Sitze gerade neu bespannt worden, und die Luft war kühl. Natürlich, es war ein teurer Wagon, in den eine Klimaanlage eingebaut worden war. Langsam ging die kleine Gruppe an den einzelnen Abteilen entlang, bis Rasmus schließlich ein leeres fand. Er schob die Tür zur Seite und ließ seinen Freund mit dem Jungen auf dem Rücken zuerst eintreten. Lucien hob Vico von den Schultern und setzte ihn so hin, dass er sich an die Wand lehnen konnte. Er selbst nahm den Platz gegenüber, Rasmus den neben.
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Nutzer: FeliceFoscari
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geschrieben am: 20.04.2005    um 23:56 Uhr   
Irgendwann kam dann auch Felice dazu, der sich ärgerte, seinen kleinen Wunsch nicht erfüllt bekommen zu haben. Er nahm den Platz neben seinem Bruder, nachdem er die Koffer auf den letzten, freien Platz neben sich abgestellt hatte. Der Zug sah nicht gerade billig aus, er hoffte, mit seinem Geld auszukommen, aber es würde schon schief gehen. Seufzend nahm er nun – als er richtig saß – einen Koffer auf seinen Schoß und öffnete ihn. Dort hatte er eine Jacke sauber reingelegt, die er nun über Vico ausbreitete, damit ihm nicht kalt wurde. Schließlich begann die Umsortiererei. Hier und da wurden grobe Kleidungsstücke gegen die ausgetauscht, die nicht so viel Platz wegnahmen und generell lockerer schienen. Er vergaß aber auch die Tabletten, ein paar Dokumente und sein Handy nicht – sowie das Buch, was er gänzlich neben sich legte, da er ja lesen wollte. Als er seine Arbeit gewissenhaft beendet hatte, nahm er den unnötigen Koffer und legte ihn über sich auf die Ablage. Später würde er ihn einfach dort liegen lassen, denn es gab keine Anzeichen mehr, die darauf schließen ließen, dass er ihm gehörte. Und wenn – ist ja auch egal, er würde ihn später jedoch nicht mitnehmen müssen. Felice griff sich am Nacken und massierte sich angestrengt drüber, nachdem er einen Blick aus dem Fenster geworfen hatte. Nur einige Sekunden kehrten Ruhe in den Leib des Italieners, dann stand er auf.
„Ihr entschuldigt mich kurz?“
Er sagte nicht, was er vorhatte, aber er wartete auch nicht auf eine Antwort. Mit einem sicheren Griff an die Hosentasche versicherte er sich, sein Bargeld dabei zu haben, ehe er aus der Kabine ging. Er musste nun ein paar Bedürfnisse stillen gehen, denn schließlich war er auch nur ein Mensch. Flüchtig sah er von links nach rechts und wieder zurück, ehe er auch in diese Richtung – also die Linke – ging. Mal sehen, was es denn hier so in diesem Nobelzug alles gab!
Geändert am 20.04.2005 um 23:58 Uhr von FeliceFoscari
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Nutzer: LucienAmadeus
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geschrieben am: 21.04.2005    um 00:27 Uhr   
Lucien betrachtete die beiden Brüder, wie Kunstkritiker große Werke von Picasso oder Rembrand. Die Bergseeaugen waren wach und saugten jede Kleinigkeit auf. Zum ersten Mal bemerkte er, zum Beispiel, dass die beiden die gleiche Kinnform hatten und Vico in spätestens vier Jahren mindestens genauso schöne Lippen, wie sein Bruder haben würde. Vielleicht würde der kleine auch Felice unnahbare Kälte übernehmen und sich so Stark gegen Angriffe von draußen machen. Lucien seufzte leise. Warum hatte er die beiden nur mitgenommen? Er führte sie geradewegs in ein Abenteuer, das für sie schnell tödlich enden konnte. Aber hatte man ihn gefragt? Hatte man ihm die Wahl gelassen?
Er warf einen Blick auf das Buch, das neben Felice lag, dann schaute er in das Gesicht des jungen Menschen, bis er das Abteil verließ.

„Ich hab gedacht, dass du ein bisschen mehr Geschmack hast.“
Lucien schreckte aus seinen Gedanken auf und schüttelte leicht den Kopf.

„Bitte?“
„Ich habe gesagt, dass ich dachte, dass du etwas mehr Geschmack hast.“
„Wieso? Gefallen sie dir nicht?“
„Nun, der Kleine ist niedlich, aber eine Spur zu ängstlich. Und der Große, dieser Felice… ich weiß nicht. Mir ist er zu kalt.“
„Ich glaube, er ist nicht wirklich so. Hast du seine Augen gesehen? Hast du erkannt, wie sich unter dieser Härte unterschwellig Sehnsucht glänzt, die nur ausgelebt werden will? Aber weißt du, was ganz reizend ist? Er schreibt Gedichte. Er ist ein Poet.“
„Alle Dichter sind verrückt. Das sehe ich ja an dir!“
„Ich bin kein Dichter!“
„Aber du hast einen Hang zum Schreiben.“
„Wenn ich dazu mal wieder Zeit hätte. Aber sag schon, gefällt er dir wirklich nicht?“
„Ich weiß nicht. Er passt nicht in deine Umgebung!“
„Weißt du, was ich glaube? Du bist eifersüchtig, ja! Es ist wie damals mit Etienne. Als er mich auf meinen Reisen begleitet hat, warst du unerträglich und ungesprächig, wie jetzt. Du hast doch noch nicht mal mit ihm geredet.“
„Ach, du redest Blödsinn!“
Rasmus schaute wieder aus dem Fenster und schnaubte leicht. Lucien hingegen sah durch die Glastür auf den Gang. Auch, wenn es ein Luxuszug war, gab es hier nicht mehr, als in jedem anderen Zug auch. Toiletten waren Rechts und Links zu finden.
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Nutzer: FeliceFoscari
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geschrieben am: 21.04.2005    um 01:00 Uhr   
Von dem Gespräch, was Rasmus und Lucien über Vico und ihn führte, bekam Felice ja nun gar nicht mit. Er hätte aber in einigen Punkten recht amüsiert reagiert, wenn er dabei gewesen wäre - war er aber nicht, denn er irrte im Zug herum. Nun, irren war das falsche Wort, er vertrieb sich hier eher etwas die Zeit, bevor er wieder in ihr Abteil gehen musste. Die Toilette war natürlich einer seiner Zielpunkte gewesen, die er angelaufen hatte. Nach dem Toilettengang und der dazugehörigen Hygiene ging er in das Bordbistro, wo er gemütlich einen Kaffee trank. Bald sorglos ließ er Vico allein in dem Abteil mit den zwei Irren zurück und als er sich dessen bewusst wurde, trank er schnell den Kaffee aus und ging eilig zurück zum Abteil. Fast gute 20 Minuten war er von den anderen entfernt gewesen, doch jetzt wurde die Schiebetür betätigt und der junge Italiener gesellte sich wieder zu der illustren Runde – doch dies wortlos und ohne Beachtung für Lucien und Rasmus.
Mit einem sanften Räuspern warf er einen prüfenden Blick zu Vico, der scheinbar gemütlich weiter schlief. Da dies nun geregelt war, konnte er die Zeit für das Buch nutzen, was er sich mitgenommen hatte. Er schlug eine bestimmte Seite auf - wohl die Seite, an der er zuletzt aufgehört hatte zu lesen – und überschlug vorsichtig die Beine. Lucien konnte den Titel des Buches nun besser erkennen: Expressionismus. Dabei ging es hauptsächlich um Franz Kafka und Reiner Maria Rilke ging. Seltsam, Künstler aus Polen – warum niemand aus Italien? Nun, Felice erweiterte eben gern seinen Horizont um einige Weiten, zudem fand er die Stücke, die er bereits gelesen hatte, recht gut. Ruhig glitt das Augenpaar über die Buchstaben hinweg, und dennoch schaffte er es, hier und da zwischen den Zeilen lesen zu können. Er hatte eine sehr gute Auffassungsgabe, wenn es um das schriftliche Wortbild ging. Da fragte man sich wirklich, wieso er nicht selbst weiterhin auf dem Internat geblieben war, nicht?
Prüfend blickten die tiefbraunen Augen über den Rand seines Buches zuerst zu Lucien, dann zu Rasmus und zurück zu Lucien. So still?
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Nutzer: LucienAmadeus
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geschrieben am: 21.04.2005    um 13:37 Uhr   
Hm RilkeÂ…

Wie steht er da vor den Verdunkelungen
des Regenabends, jung und rein;
in seinen Ranken schenkend ausgeschwungen
und doch versunken in sein Rose-sein;

die flachen Blüten, da und dort schon offen,
jegliche ungewollt und ungepflegt:
so, von sich selbst unendlich übertroffen
und unbeschreiblich aus sich selbst erregt,

ruft er den Wandrer, der in abendlicher
Nachdenklichkeit den Weg vorüberkommt:
Oh sieh mich stehn, sieh her, was bin ich sicher
und unbeschützt und habe was mir frommt.

…wilder Rosenbusch, oder so ähnlich. Er hatte einmal das Vergnügen gehabt einen wirklich begabten Studenten in Paris – 1905? – Rilkes Gedichte rezitieren zu hören. Natürlich waren es die deutschen Werke, des Dichters, die der Junge mit einem starken Akzent vortrug, aber trotz dieser Schwierigkeit, war ihm dieses kleine Kunstwerk im Sinn geblieben. Sonst hielt er nicht viel von Rilke. Zu expressionistisch, zu verworren… .
Die Ruhe, die Lucien ausstrahlte, war rein äußerlich. In seinem Kopf schwirrten die Gedanken um andere Dinge, die Rasmus sehr wohl kannte.

„Lucien…“
„Ach ja, deine Decke. Ich besorge dir und Vico eine. Möchtest du auch eine?“
Der Franzose stand auf. Er schwankte leicht und fasste schnell nach dem Gitter des Gepäckfaches, während sein Blick auf Felice lag. Bitte, entscheide dich schnell!
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Nutzer: FeliceFoscari
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geschrieben am: 21.04.2005    um 16:10 Uhr   
Das Schwanken fiel ihm nicht auf, oder er hatte es einfach übersehen, darum reagierte er auch nicht. Nicht mal rein aus Reflex, denn es hätte ja sein können, dass Lucien ausrutschte und auf ihn fiel. Es gab viele Gründe, weswegen er den Blick hätte heben müssen, aber noch nicht mal die Frage konnte Felice dazu bewegen, es zu tun.
„Nein, ich bin nicht müde. Danke.“
Es war sachlich - gar entfernt. Er ließ keine Minute offen in der er nicht beweisen wollte, dass er kein Interesse daran hegte, mit den anderen eine nähere Verbindung einzugehen, auch, wenn sie rein platonisch war und auch, wenn die Zeit einige Wochen – wenn nicht, gar Monate – tragen würde. Er gab sich einfach keine Mühe.
Zu seiner Äußerung: Die Tabletten, die er zuvor geschluckt hatte, wirkten wie die reinsten Aufputschmittel. Sie bekämpften zwar seine Schmerzen für eine gewisse Zeit, aber natürlich hatten sie auch eine Liste voll Nebenwirkungen. Dazu kam noch, dass er die Tabletten fast regelmäßig einnehmen musste. Er gab es ungern zu, hatte sich selbst noch keinen Gedanken darüber gemacht, aber wahrscheinlich war er schon Abhängig. Die Dosis hatte sich mit der Zeit angehoben, was jedoch kein Wunder war. Irgendwann braucht man eben mehr und mehr, wenn der Körper sich daran zu gewöhnen beginnt. Das ist wie mit Zigaretten, oder Alkohol – man merkt es einfach nicht mehr. Doch, ohne sie würde es ihm noch schlechter gehen, ohne sie wäre er ein Wrack. Äußerlich sah er zumindest nicht danach aus, aber wenn man nach innen drang, würde man es merken. Doch es ist ja immer irgendwas, nicht wahr?

„Aber das dein Begleiter nicht fähig ist, sich selbst seine Sachen zu besorgen, ist sehr seltsam.“
Wieder drang ein spöttisches Grinsen auf seine recht fein geschnittenen Züge. In einer flüssigen Bewegung klappte er das Buch zu und legte es auf die Seite, ehe er die Arme vor der Brust verschränkte und Rasmus einen skeptischen Blick zukommen ließ.

„Du scheinst ja gerne alles und jeden zu bewirten.“
Auch wenn die Worte scheinbar zu Rasmus schwebten, waren sie für Lucien bestimmt. Und noch etwas schien für ihn zu sein, was mit einem direkten Kopfdrehung zu ihm hoch geschickt wurde.

„Ach, dazu muss ich noch sagen, dass ich alt genug bin um für mich selbst zu sorgen. Hör auf mit dieser ständigen Fragerei. Wenn ich etwas wissen möchte, sage ich schon bescheid.“
Plötzlich zog er ein viel zu freundliches Gesicht, was aber genau so schnell wieder verschwand, passend mit einem Augenverdreher.
Uh Felice, was sind wir launisch…! Dir passt die ganze Angelegenheit nicht, hm? Du weißt, dass Österreich nicht in deinem Plan vorgekommen war. Doch du gibst nicht auf, nein, du gibst niemals auf… .
Nachdenklich kaute er auf seiner Unterlippe.
Geändert am 21.04.2005 um 16:12 Uhr von FeliceFoscari
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geschrieben am: 21.04.2005    um 18:40 Uhr   
Felice regt sich auf, meldete es irgendwo in seinem Gehirn, aber da waren viel zu viele andere Gedanken, ach was, Gedanken war zu viel gesagt, viel zu viele andere bruchstückhafte Fetzen in seinem Kopf. Er musst hier raus und zwar schnell, sonst…
Er nickte. Die schwarzen Haare verdeckten kurz sein Gesicht, dann strich er sie zurück und verließ fast schon fluchtartig den Wagon. Wohin? Links… der Gang war leer. Gut. Fenster. Auf jeder Seite ein Abteil. Zu viele Menschen, viel zu viele Menschen. Ah, eine einsame, alte Frau. Schnell die Tür aufgeschoben!
Rasmus sah seinem Freund nach und seufzte leise auf, als sein Blick nach kurzer Zeit auf Felice zum Liegen kam. Dieser Mensch war so was von unfreundlich, dass Rasmus nicht das Verlangen hatte sich näher mit ihm zu befassen. Okay, vielleicht würde es Lucien eine Freude machen, wenn er sehen würde, dass er es schaffte diesen Typen ein bisschen zu erweichen. Er lehnte seinen Kopf an die vibrierende Fensterscheibe und meinte.

„Weißt du, du könntest ruhig ein bisschen freundlicher zu ihm sein. Niemand zwingt dich dazu mitzukommen. Na ja, auch egal… Was liest du denn da?“
Das war schon wirklich eine sehr plumpe und unelegante Art ein Gespräch zu beginnen. Rasmus störte das wenig, denn er wollte wenigstens, wie dieser eine, ziemlich bekloppte „Sänger“, dieser Kübelböck, etwas „positive Energie“ hervorbringen.
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geschrieben am: 21.04.2005    um 19:00 Uhr   
Desinteressiert blickte er den halb flüchtenden Lucien hinterher. Ah, der hatte es ja eilig, das passt so gar nicht zu dem Franzosen. Doch, es war nicht seine Sache, er wollte auch gar nicht wissen, was mit dem los war.
Nachdem Rasmus seinen plumpen Satz hatte aussprechen können, kamen gerade wieder andere Sorgen für Felice auf und eine Antwort war völlig vergessend. Der kleine Vico wachte nach einem härteren Ruckeln des Wagons auf und rieb sich übermüdet die Augen. Blinzelnd sah er sich um und wisperte ganz leise, als würde die Stimme fast versagen.

„Felice…?“
Natürlich war dieser sofort an Ort und Stelle. Die tiefbraunen Augen richteten sich auf den Jungen – die eben noch auf Rasmus lagen -, der sich aufsetzte.

„Hier bin ich, Vico. Kannst du nicht schlafen?“
Flüsterte er ihm leise zu, wobei er ihn an sich zog und seinen Kopf sanft gegen seine Brust drückte. Rasmus war da nun völlig vergessen gewesen, es schien, als wäre er durch den Jungen in eine andere Welt eingetaucht, wo es nur Vico und ihn gab.

„Ich, ich fühle mich nicht gut.“
Antwortete der Jüngste.
Wahrlich, er fühlte sich nicht gut an, als er so in seinen Armen lag. Prüfend ließ er seine Hand an die Kinderstirn wandern und registrierte eine überhöhte Temperatur.

„Na klasse, dieses scheiß Billighotel. Ich wusste doch, dass wir auf das Frühstück hätten verzichten sollen.“
Nicht gerade besser gestimmt setzte er sich so hin, dass er die ganze Länge der durchgehenden Sitzbank ausnutzen konnte. Sein Rücken lehnte sich an der Wand neben der Schiebetür und Vico wurde so hingezogen, dass er sich bequem auf Felice legen konnte. Fürsorglich deckte dieser den Jungen wieder zu und schlang seine Arme um ihn.

„Schlaf weiter, ich bin bei dir.“
Mit einer unglaublichen Routine fuhren die feingliedrigen Finger des Italieners durch das kurze, pechschwarze Haar des Jungen.
Sicher, du vermisst Mama, was? Darum wirst du mir nun krank. Keine Sorge, ich lasse dich morgen mal mit ihr telefonieren, vielleicht hilft es dir.
Der Kleine schmiegte sich gemütlich auf Felice und ließ die Lider wieder sinken, wobei sich seine Finger in das Oberteil seines älteren Bruders krallten. So schlief es sich doch gleich viel besser!

„Meine Unfreundlichkeit hat Gründe, schließlich wird man nicht jeden Tag so…, bedrängt.“
Antwortete er nun endlich Rasmus, als Vico versorgt war. Seine dunklen Augen fixierten den Fremden und ließen kaum von ihm ab. Sie forschten…, sie suchten irgendwas.

„Und ja, ich muss nicht mit, das stimmt.“
Das stimmtÂ…, keine Sorge, Rasmus!
Das Buch lag nun irgendwo unter ihm begraben, er musste mit der Hand auf Entdeckungsreise gehen, bis er es ungemütlich unter sich hervorzog und es Rasmus entgegen streckte.

„Expressionismus. Hauptsächlich um Rilke und Kafka, falls dir das alles ein Begriff sein sollte.“
Man wusste es ja nicht, und Felice am Wenigsten. Auch hier verzichtet er gänzlich auf eine höfliche, respektvolle und distanzierte Anrede, da es Rasmus selbst auch tat.
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Nutzer: LucienAmadeus
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geschrieben am: 21.04.2005    um 19:19 Uhr   
Es ist schon erstaunlich, wie vielschichtig mache Menschen sein können. Das beste Beispiel dafür saß gerade vor Rasmus und hielt den kleinen Vico in den Armen. Zum einen war dieser Felice kalt und unfreundlich – also wirklich kein Umgang für Lucien – aber andererseits kümmerte er sich so liebevoll um seinen kleinen Bruder, dass man meinen musste, dass man es mit zwei verschiedenen Personen zu tun hat. Vielleicht hatten die beiden Brüder es zu Hause nicht leicht; wie der Italiener von Lucien erfahren hatte, waren beide Jungen außerordentliche Künstler und die neigten dazu ein etwas schwierigeres Leben zu führen. Konnte es nicht sein, dass sich ihre Familie zu viel von ihnen erhoffte und sie deswegen nur wegen ihres Könnens liebte? Oder vielleicht war die Mutter eine versoffene, alte S.chlampe und der Vater brachte sein Geld jede Nacht mit H.uren durch. Irgendetwas musste es sein. Ein schwieriges Elternhaus war es allemal, das erklärte nämlich auch warum die Brüder aufeinander hingen, wie Pech und Schwefel. Sie hatten niemanden außer sich selbst.
Rasmus schaute Felice an. Seine Augen waren genauso dunkel, wie die seinen, aber sie sahen ein bisschen freundlicher in die Welt. Jetzt, wo er so an der Fensterscheibe lehnte, wirkte er wie ein Student. Ja, vielleicht studierte er auch. Geophysik würde man ihm zutrauen. Er wartete, bis sich Felice um seinen Bruder gekümmerte hatte und lächelte ihm zu.

„Gut, vielleicht hast du deine Gründe unfreundlich zu sein – Lucien gegenüber – aber ich habe dir nichts getan. Das ist bestimmt auch für Vico besser. Ich hätte mich als kleiner Junge nicht wohl gefühlt, wenn mein Bruder schlechte Stimmung verbreiten würde.“
Er schaute den Kleinen an und neigte den Kopf zur anderen Seite. Wenn er wirklich krank war, was er aus Vicos und Felices Bemerkungen, so wie aus dem Aussehen des Jungen schloss, dann sollte er schnell Medikamente bekommen, denn ein krankes Kind hielt sie noch mehr auf, als es ein gesundes Kind tun würde.

„Die haben bestimmt so etwas, wie eine Apotheke im Zug.“
Als er das sagte schaute er aber schon auf das Buch, das Felice ihm entgegenhielt. Expressionismus also. Hm, Lucien hielt nicht viel davon, das wusste er. Wie dem auch seiÂ…

„Wenn du willst, passe ich auf deinen Bruder auf und du kannst gucken, ob du irgendwo ein paar Pillen für ihn auftreiben kannst. Dann kann ich auch mal in das Buch schauen."

Geändert am 21.04.2005 um 19:19 Uhr von LucienAmadeus
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Nutzer: FeliceFoscari
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geschrieben am: 21.04.2005    um 19:45 Uhr   
„Natürlich hast du mir nichts getan. War ich denn unfreundlich zu dir?“
Fragend hoben sich die feinen Brauen des Italieners an. Er konnte sich nicht daran erinnern, Rasmus in irgendeiner Weise beleidigt zu haben, und wenn, dann unabsichtlich.

„Auch wenn, ich bin eben vorsichtig und skeptisch – das hat mir bislang einigen Ärger erspart.“
Die Idee mit den Medikamenten war keine schlechte. Die hatten sicher irgendwelches Zeug für Kinder hier herum fliegen, schließlich war dies ein teurer Zug. Nun, er hoffte es einfach, denn ihre Reise war noch lang. Zögerlich versucht er den schlafenden Jungen auf seiner Brust zur Seite zu schieben. Er machte sich große Mühe, Vico dabei kaum zu stören. Als er sich befreit hatte, strich er ihm mit einem unbewussten Lächeln nochmals über den Kopf und richtete sich dann auf.

„Gut, ich gehe etwas suchen. Pass bitte auf ihn auf, solange ich weg bin.“
Die Art, wie er es sagte, war zwar freundlich, aber dennoch bemerkte man in der Stimme einen gewissen Unterton, der einem sagen wollte: Und wenn ihm irgendetwas passiert, mache ich dich dafür verantwortlich, schließlich hast du mir dein Wort gegeben!
Felice strich sich das schulterlange, pechschwarze Haar zurück und verließ ruhig das Abteil. Nun ging die Sucherei los, denn er wusste nicht, wohin er gehen sollte. Nach kurzem Zögern entschied er sich, erneut nach links zu gehen. Sein Tempo war langsam und die wachen Augen huschten suchend umher. Er wollte ja keinen Arbeiter übersehen, der für so was zuständig sein könnte. Schritt für Schritt sah er – wenn möglich – mit einem kurzen, dezenten Blick in die einzelnen Abteilräume.
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geschrieben am: 21.04.2005    um 20:00 Uhr   
„Ein bisschen, ja. Nicht nur was, sondern auch, wie man es sagt, kann unfreundlich wirken. Denk mal drüber nach.“
Der Italiener überschlug seine Beine und strich sich die Jeans glatt. Nicht, dass sie Falten gehabt hätte, aber es war eine Angewohnheit und Angewohnheiten kann man doch eher selten ablegen. Er schaute Vico an. Wirklich niedlich, dass er einfach schlief, obwohl es im Zug relativ laut war, alleine wegen der Beschaffenheit der Schienen.

„Du kannst dich auf mich verlassen. Jeder der auch nur daran denkt deinem Bruder was anzutun, legt sich mit mir persönlich an, und das möchte er nicht.“
Er nahm sich das Buch.
Draußen auf dem Gang schien es etwas mehr zu ruckeln, als in den einzelnen Abteilen, was vielleicht daran lag, dass man sich hier schlechter festhalten konnte. Hinter den Fenstern spielten sich die verschiedensten Szenen ab. Hier küsste sich ein verliebtes Pärchen, da wiegte eine Mutter ihr Kind in den Schlaf, woanders checkte ein Geschäftsmann mit Laptop seine E-Mails und im nächsten… Bevor Felice einen Blick in das Abteil werfen konnte, öffnete sich die Tür und Lucien trat auf den Gang. Seine Haut war nicht mehr ganz so blass, nein eigentlich schon gesund, und er schaute überrascht in Felices Gesicht.

„Oh...“
Im Abteil schlummerte friedlich eine alte Dame.

Geändert am 21.04.2005 um 20:00 Uhr von LucienAmadeus
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geschrieben am: 21.04.2005    um 20:17 Uhr   
Als er plötzlich Lucien vor seiner Nase hatte, blieb er kurz stehen. Das Ruckeln der Wagons und die Tatsache, dass es kaum Möglichkeiten gab um sich festzuhalten, erschwerte dies erheblich. Seine filigrane Hand fand halt an der Wand neben einem der großen und breiten Fenster, die gerade nur tiefe Dunkelheit zeigte. Ein prüfender Augenschein galt dem Abteil, wo die alte Frau schlief, dann Lucien.
Moment Mal, was soll das denn? Findet man da Decken? Überhaupt, musst du immer irgendwelche Leute nerven? Meine Güte… .
Erneut verdrehte Felice die Augen und drückte sich an Lucien vorbei, da er noch etwas zu erledigen hatte. Was auch immer der Franzose in dem Abteil gemacht hatte, es sollte nicht Felice Angelegenheit werden.
Medikamente…, er war sich nicht sicher, ob er sie finden wird. Er brauchte jetzt einfach jemanden, der ihm sagen könnte, ob sie es haben oder ob der Zug eine Pause machen würde. Umsteigen, ja, vielleicht mussten sie ja noch umsteigen. Eine Möglichkeit wäre es zumindest.
Suchend ging Felice weiter seines Weges.
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geschrieben am: 21.04.2005    um 20:28 Uhr   
Felice drückte sich also an Lucien vorbei, oder versuchte es zumindest. Denn gerade, als der Italiener seinen Körper an dem Jüngeren vorbei quetschen wollte, drehte sich auch der Franzose um und ging in die gleiche Richtung. Durch das Schwanken sah er sich gezwungen an den Wänden Halt zu suchen. Seine Bewegungen waren trotzdem, wie die eines Raubtiers; geschmeidig und elegant.
„Hat Rasmus dich mit uninteressanten Dingen gequält, dass du dich hier auf dem Gang rumtreibst?“
Lucien schaute kurz über seine Schulter und hielt auf ein Abteil mit einem grünen Kreuz auf der Milchglasscheibe zu. Das sah sehr nach einer mobilen Krankenstation aus. Natürlich wäre es ein Leichtes für den Franzosen gewesen einfach in Felice Geist einzudringen, aber er hatte sich vorgenommen es für’s Erste nicht zu machen. Aus reiner Höflichkeit.
Bevor er an die Abteilstür klopfte, drehte er sich noch mal zu Felice um. Ah, du bist wirklich interessant. Ein bisschen erinnerst du mich an mich selbst. Nein, ich war nicht so kalt, wie du, aber wir haben ähnliche Züge.
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geschrieben am: 21.04.2005    um 20:49 Uhr   
Die Stimme, die plötzlich dicht hinter ihm aufkam, ließ ihn die Lider schließen. Für einen Moment vergaß er alles um sich herum. Der Herzschlag dröhnte in seinem Kopf, ein stetiger Rhythmus – wie lange, wie lange durfte er ihn noch wahrnehmen? Wie lange durfte er… . Tief eingeatmete Luft rauschte über die fein geschwungenen Lippen, da war er wieder anwesend. Genau wie Lucien war er an jenem Abteil stehen geblieben, denn dies deutete wohl darauf hin, dass er ein mögliches Ziel gefunden hatte.
„Nein, er hat mich nicht gestört. Ich suche Medikamente, Vico brühtet etwas aus.“
Und den gänzlichen Ausbruch möchte ich eben, so gut es geht, vermeiden.

„Ich bin mit nicht sicher, ob ich hier etwas finden werde. Erm, müssen wir umsteigen?“
Wenn du jetzt nein sagst, glaube ich, dich umbringen zu müssen. Mein Plan bröckelt weiter und weiter zusammen und ich weiß nicht, was für Auswege ich sonst noch aus dieser Misere habe. Vielleicht sollte ich es auch einfach vergessen.
Nachdenklich neigte Felice den Kopf, während er darauf wartete, dass jemand öffnete.
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geschrieben am: 24.04.2005    um 18:48 Uhr   
Lucien stützte sich an der rauen Zugwand ab, da das Gefährt auf den Schienen doch zu viel ruckelte, als das man ohne diese Sicherung stehen konnte. Mit einer Hand fuhr er sich durch die nachtschwarzen Haare, um sie hinter die Ohren zu streichen.
Ein kranker Vico könnte zum Problem werden. Sie sollten wirklich Medizin finden, oder… Er dachte den Gedanken nicht weiter. Selbst bei Rasmus hatte er es damals noch nicht getan und er würde es ganz sicher nicht bei einem kleinen Jungen machen. Also nickte der Franzose lieber.

„Ja, das ist besser, als wenn er die ganze Reise über krank ist, und sich schlecht fühlt. Die haben bestimmt das ein oder andere Mittelchen, das ihm helfen wird. Kinder neigen ja häufig dazu krank zu werden, wenn sie von zu Hause weg sind, und das sind sie meistens, wenn sie in einem Zug reisen.“
Kurz fuhr er sich mit seinen Fingern unter dem Kinn entlang und runzelte die Stirn. Ah, er hatte den Fahrplan doch noch kurz vor Reisebeginn gesehen. Nur langsam tauchten Zahlen und Ortsnamen vor seinem inneren Auge auf.
„Hmhm, ich denke schon. Zweimal. Einmal in LeHavre und einmal in…“
Er biss sich auf die Unterlippe.

„…ach, weißt du was? Frag Rasmus, der müsste das wissen! So, ich gehe jetzt da rein und organisiere Decken und – wenn du willst – Medikamente für deinen Bruder. Was hat er denn?“
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geschrieben am: 24.04.2005    um 19:16 Uhr   
„Nein, das reicht mir schon.“
Schön, sie steigen mindestens einmal um. Das war toll! Sicherlich nicht so toll, als wenn man in den Hauptzeiten fährt und es dann großes Gedränge gibt, aber es wird reichen müssen.

„Ach, irgendwas für die Grippe, das sollte reichen.“
Mit einem dankenden – ja, dankenden! - Nicken wendete er sich ab und torkelte vorsichtig an Lucien vorbei, damit er den Gang entlang gehen konnte, der ihn zurück in ihr Abteil führte. Vorsichtig wurde die Glastür aufgeschoben, der ihn vom Innenraum trennte und huschte schließlich durch den schmalen Spalt hindurch. Er sagte kein Wort zu Rasmus, sondern kümmerte sich eigentlich sofort wieder um Vico, der noch schlief. Felice war froh, dass Vico noch schlief, denn er würde nicht wissen wollen was passiert, wenn er wach wäre. Vorsichtig hob er den Jungen an, um in seine alte Position zurückzukehren, die er genauso vorsichtig verlassen hatte. Mit einem leisen Seufzen, was schier unbemerkt über seine Lippen huschte, legte er sich zurück und drückte den Jungen sanft an sich an. Die Arme hatten sich unter der Decke schützend um den Leib des Burschen gelegt und schienen ihn nicht mehr loslassen zu wollen.
In dieser ruhig scheinenden Zeit senkte Felice die Lieder. Ehrlich gesagt wurde er nun doch müde, sei es von den Tabletten, die wechselhafte Wirkungen hatten, oder wegen etwas anderem. Sollte Rasmus nebenbei noch das Buch durchblättern – oder es durchgeblättert haben – fand sich am Ende auf einer halbleeren Seite etwas wieder, was sicherlich nichts mit dem Buch zu tun hatte. Es sah aus wie eine kleine Kritzelei, die in Worten – besser gesagt in einem Reim – verfasst wurde.

Die Zeit

Schmerz, das ist nut ein Begriff.
Was steht für Relativität.
Schmerz, das ist mein Klippenriff.
Das Löcher in mir säht.

Zeit, das ist nur ein Begriff.
Was steht in Wichtigkeit.
Zeit, das ist mein Klippenriff.
Das mich nicht mehr befreit.

Heil, das ist nur ein Begriff.
Was steht für Lebensglück.
Heil, das ist mein Klippenriff.
Was niemals kehr zu mir zurück.


Ob es professionell war, oder nicht, lag im Auge des Betrachtes. Was es aber war, ist aussagekräftig. War es von Felice? Der Verfasser wurde leider nicht namentlich erwähnt.
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Nutzer: LucienAmadeus
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geschrieben am: 24.04.2005    um 20:02 Uhr   
Natürlich nahm der Franzose das dankende Nicken zur Kenntnis, aber er sagte dazu nichts. Man sagt ja auch nichts dazu, wenn man unerwartet im Aufzug zurückgegrüßt wird, oder? Er klopfte an die Glastür mit dem grünen Kreuz. Da man eine Eintrittaufforderung wohl so oder so nicht gehört hätte, wurde die Tür von einer älteren Frau geöffnet. Sie lächelte und hob den Blick von einem Clipboard, das sie in der Hand hielt.
„Was kann ich für Sie tun?“
Auch wenn Lucien, wie ein Teenager aussah, duzten ihn die wenigsten Leute. Woran es lag, bleibt Spekulation. Vielleicht war es die Art, wie er redete, oder die Ausstrahlung, die verriet, dass er vielleicht doch „mehr“ war, als es nach außen hin schien. Wie dem auch sei…

„Entschuldigen Sie, dass ich störe, aber ich brauche drei Decken und ein Grippemittel für Kinder.“
„Das mit den Decken ist kein Problem, aber Medikamente darf ich nur an Erziehungsberechtigte und Erwachsene ausgeben. Bitte verstehen Sie das.“
„Natürlich, aber es geht um meinen Bruder. Meine Eltern schlafen und ich möchte sie ungern wecken. Sie haben einen schweren Tag hinter sich, wissen Sie?“
Die Bahnbeamtin neigte den Kopf und beäugte Lucien skeptisch. Dann lächelte sie aber und holte aus einem Schrank drei Decken, die sie ihm in die Arme gab, bevor sie eine Packung Tabletten aus einer Schublade zog.
„Dass Sie das aber keinem der Bahnbeamten verraten!“
Sie zwinkerte ihm zu und steckte die Packung in die Hosentasche des Franzosen. Lucien schüttelte verschwörerisch den Kopf, dann verließ er das Abteil. Es war etwas schwieriger nun gerade zu gehen, weil er die Arme nicht mehr benutzen konnte.
Rasmus registrierte aus dem Augenwinkel, dass Felice das Abteil betrat. Das Buch hielt er immer noch in der Hand, allerdings hatte er wirklich den losen Zettel gefunden, den er gerade las. Erst danach wandte er sich dem Italiener zu.

„Der kleine hat geschlafen, wie ein Murmeltier. Keine weiteren Vorfälle. Ist das von dir?“
Er hielt dem Dichter den Zettel entgegen und sah ihn an. In diesem Moment schob auch Lucien die Abteilstür zur Seite und legte den Haufen kratziger Bahndecken auf den freien Platz neben Rasmus. Aus reinem Interesse nahm er seinem Freund den Zettel ab und setzte sich. Mit leiser, getragener Stimme begann er das Gedicht darauf vorzutragen.
„Hmhm…“
Sein Zeigefinger tippte an sein Kinn und er fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen.

„Nicht ganz einfach, aber der Klang ist schön. Poesie.“
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Nutzer: FeliceFoscari
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geschrieben am: 24.04.2005    um 20:20 Uhr   
Als Rasmus ihn auf irgendetwas ansprach, hob er langsam die Lider und setzte sich – soweit es eben ging – etwas auf. Nur die Schultern konnten etwas Halt an der Wand neben der Schiebetür finden, die plötzlich aufging, als er etwas sagen wollte. Natürlich war er so abgelenkt gewesen und sah zu Lucien auf, der die versprochenen Decken endlich in ihr Abteil geholt hatte. Nun war die Reaktion aber zu spät und er sah, wie sich der Franzose das Zettelchen schnappte, sich hinsetzte und es mit leiser Stimme vorlas. Nach dem Blick des Italieners zu urteilen, gefiel ihm das ganz und gar nicht. Da es ihm nicht möglich gewesen war, den Zettel aus Luciens Hand zu rupfen, streckte er befehlend seine Hand zu ihm aus.
„Hey, gib her, das ist privat!“
Gut, ich habe euch das Buch zum reinschnuppern überlassen und vergessen, dass ich ein Stück meiner Seele darin befindet, aber ihr müsst das doch nicht gleich so dermaßen zur Schau stellen, nicht wahr?

„Ja…, ich, ich habe es geschrieben.“
Wisperte er mit leiser, fast verlegender Stimme.
Ich weiß noch genau, wann es war. Es ist alt, aber nicht älter als zwei Monate. Zwei Tage danach, als man mir die Nachricht überbrachte, habe ich es verfasst. Es ist kurz und Außenstehende verstehen es nicht, aber würden sie den wahren Grund kennen, könnten sie es vielleicht nachvollziehen. Aber…, ich will nicht, dass irgendwer den wahren Grund kennt, außer meiner Eltern. Niemand weiß von dem Schicksal, was mich eingeholt hat und ich nicht wahrhaben will.
Felice schloss seine Lieder und atmete tief durch.
Felice, Felice, Felice… . Was wird das eigentlich? Was machst du hier? Besser gesagt, was machst du mit Vico? Solltest du ihn nicht wieder nach Hause bringen? Wo willst du überhaupt hin? Das ist, Wahnsinn! Du nimmst ihn mit dir mit, obwohl du genau weißt, dass die Zeit die dir verbleibt keine Ewigkeit mehr sein kann. Felice, wach aus deinem Tagtraum auf! Sei erwachsen! Bring ihn…, zurück…. .
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