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geschrieben am: 26.04.2006 um 12:00 Uhr
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Wie er da stand, den Mantel der Nacht dicht um den zarten Körper geschlungen und den Blick aus fürsorglichen Augen streichelnd auf dem kleinen Bruder, er hätte eine Statur sein können, schöner und begehrenswerter, als alle Menschen, die Lucien bis jetzt gesehen hatte. Leise schlichen sich Bedenken - nein, nicht Bedenken, sondern falsche Ratschläge - in seinen schönen Kopf. Er sollte in einem Menschen nicht sehen, was er sah, dafür waren sie viel zu zerbrechlich, aber gegen alles Wissen, er konnte nicht anders, als faszniert zu Felice' Gestalt hinüber zu sehen. Nein, er würde nicht zu lassen, dass er starb. Ja, vielleicht war es ein bisschen ungerecht. Wenn der Junge nicht diese ausgesprochene Ähnlichkeit zu ihm selbst besitzen würde - was wahrscheinlich nur Allegro und er selbst bemerkt hatten - so wäre er wahrscheinlich niemals auf die Idee gekommen ihn zu retten. Aber so hatte sich der Gedanken mit schlanken, starken Fingern in seinen Geist gekrallt und er würde nicht zulassen, dass es anders kam.
Ein zärtliches Schmunzeln lag auf seinen Lippen. Oh ja, Felice hätte sicherlich Recht, wenn er Rasmus wirklich befohlen hätte auf den Jungen aufzupassen, aber die Beziehung, die er zu diesem Italiener hegte, lies Befehle nicht zu. Nicht in so lapidaren Dingen.
"Dein Mitgefühl ehrt dich, Felice. Aber es ist unangebracht. Ich habe Rasmus nicht beauftragt, ich habe ihn gebeten mir einen Gefallen zu tun, wie ich es jederzeit für ihn tun würde. Es war nicht mehr, als ein Freundschaftsdienst. Wenn du glaubst, ich würde Rasmus ungerecht behandeln, dann sprich mit ihm darüber. Ich bin sicher er wird deine Bedenken zur Seite räumen. Aber bitte, zerbrich dir nicht deinen schönen Kopf darüber. Lass uns heute Abend Spaß haben. Lass uns leben!"
Leichtfüßig drehte er sich um und sah über seine Schulter, ob Felice ihm auch folgte. Es würde den Jungen Menschen sicher wundern, wenn er wüsste, dass Lucien geradewegs auf dem Weg zu seiner Lieblingsdisco war. Wer würde auch vermuten, dass Vampire in Diskotheken vorzufinden waren? Da dachte man dann wohl doch eher an alte Schlösser und verfallene Burgen, oder?
Von außen sah das Gebäude nicht aufregend aus, aber als sie eingetreten waren, offenbarte sich die wahre Schönheit dieses Etablisements. Ander, als in den meisten Diskos, war diese in einem sehr edlen Stil gehalten. Man betrat nicht gleich die Hallen, in denen Musik gespielt wurde, sondern fand sich in einem edel ausgestatteten Saloon wieder. Der Boden war mit schwarzem Mamor bedeckt, während die Wände mit roter Damasttapete dekoriert waren. Vereinzelt standen Stühle und Sessel um kleine Tische, auf denen Karten auslagen.
"Ich hoffe, dass ist halbwegs nach deinem Geschmack. Ich kann dich in dieser Sache nur schlecht einschätzen. Möchtest du etwas trinken? Einen Kaffee oder einen Drink? Such dir aus, was du möchtest."
Nein, niemand würde bestreiten, dass Lucien in Felice' Gesellschaft kaum wiederzuerkennen war. |
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