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geschrieben am: 06.11.2002 um 19:20 Uhr
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Die Sonne der Nacht schien über die spiegelglatte Fläche
des hellwachen Sees und kein Laut störte die eigenartige Atmosphäre.
Die Nacht schien verwandelt, als hätte sich ihr Wesen in Tag verwandelt
und für einen Augenblick gab es keine Vergangenheit mehr.
Nur dieses Licht, dieses immerwährende Licht
durchzog die Lichtung und es schien mir,
als würde ich träumen.
Doch war ich wach und sah
das Vergangene zurückkehren,
fühlte meinen Körper, meinen jagenden Herzschlag
und versuchte, meinen Atem zu bändigen.
Dann erinnerte ich mich plötzlich an das,
wonach ich mich in all‘ den Jahren gesehnt habe.
Langsam entledigte ich mich meiner Kleider,
nahm die Wärme wahr, die so gar nicht zu dieser Stimmung passte
und tauchte ein ins dunkle Wasser.
Hier war kein Licht und doch schien nichts zu schlafen,
alles war bewusst und wahr.
Schlagartig durchzogen mich Ängste
und es drängte mich danach,
an die Oberfläche zurückzukehren.
Alles in mir rang nach Atem,
wollte mit allen Kräften nach oben
und ich drohte, zu ersticken.
Doch zog es mich unaufhörlich weiter in die Tiefe,
mein Schreien verstummte in der Finsternis.
Da erinnerte ich mich an meine Herkunft
und alles wurde schmerzhaft wund in mir.
Worte malten Bilder in meine Seele
und meine Gedanken erzählten
geheimnisvolle Dinge über mich:
„Es fing an mit dunklen Mächten,
die mich am Leben hindern wollten
und ich sah unendliche Farben,
sah Licht und Zukunft,
träumte von der Vergangenheit,
die sich in Ewigkeit verloren hatte.
Tiefe Trauer überkam mich,
Angst und Schrecken lähmten meine Träume
und nie hätte ich gedacht,
dass dieser Schmerz bedeutsam sein könnte.
Doch mit der Zeit begann ich
in meine Trauer hinein zu lächeln,
nicht aus Freude,
vielmehr aus Wertschätzung
meinem Leid gegenüber.
Und ich fühlte körperlich,
die Trauer anderer um mich herum,
litt mit ihnen,
vergoss Tränen um sie
und selbst diejenigen,
die vor mir litten,
empfingen meine Tränen.“
Mit diesen Erinnerungen sank ich endlos weiter,
fühlte die Wärme, die meinen Körper wohlig umgab
und fürchtete mich in der Dunkelheit.
Meine Furcht sehnte sich nach Licht, nach Sonnenstrahlen
oder wenigstens nach dem winzigen Licht eines Sterns.
Ich vermisste das Licht so sehr,
dass ich wieder diesen stechenden Schmerz fühlte,
der wie ein Pfeil durch meinen Körper hindurch schoss
und brannte wie glühende Kohle.
Ich wusste, dass ich nicht mehr an die Oberfläche zurückkehren konnte
und umklammerte mit aller Sehnsucht meine Erinnerung
an dieses unbeschreiblich helle Licht.
Meine Gedanken zogen wieder in die Vergangenheit
und entstaubten bekannte Bilder aus meinem Gedächtnis,
Gemälde, die mir vertraut und bekannt vorkamen,
ohne dass sie mich an bestimmte Stationen erinnerten.
Da entdeckte ich ein wundervolles Bild
und las dazu die Worte:
„Meinen Stern kann ich nicht sehen,
nicht sein Licht, nicht sein Schatten,
aber ahnen kann ich ihn.
Erinnern will ich seine ungebrochene Leuchtkraft,
seine Phantasie, seine Unendlichkeit,
erinnern seinen Schatten,
der selbst im Nichts noch schwarze Kraft ist,
die im Letzten liebevoll lächelt
über meine ungebrochene Sehnsucht nach Licht.“
Ich spürte Boden unter meinen Füssen,
weichen Sand, kitzelnde Steine,
und endlich glaubte ich am Ziel angekommen zu sein,
da gab der Grund nach und ich versank
in ungeahnte Welten, in unbeschreibliche Zeiten,
die ich nie zuvor gesehen, nie gekannt habe.
Und mit einem Mal zog eine Erinnerung
durch meinen Körper, die aus der Zukunft kam
und mich liebevoll in die Arme nahm und flüsterte:
„Was gibt es Wertvolleres,
als all‘ die Millionen von Sternen,
was Bedeutsameres,
als all‘ die tiefen Meere,
was Liebevolleres,
als all‘ die absichtslosen Zärtlichkeiten,
was Kostbareres,
als all‘ die unbeantworteten Fragen,
was Endlicheres,
als all‘ die vielen Erkenntnisse,
was Furchtsameres,
als all‘ die verlorenen Seelen,
was Helleres,
als die Sonne der Nacht?“
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Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!
Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird
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