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geschrieben am: 03.02.2003 um 19:45 Uhr
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Geisterschiff
Am Fuße der Klippen, am tosenden Meer,
Dort kniet ein Mann - das Herz ist ihm schwer,
Der Sturm fegt den Sand, die Luft weiß von Schaum,
Der Mann kniet erstarrt am gischtenden Saum.
Er denkt an den Tag, vor zehn Jahren nun,
Da der Schatten kam, das Schwarze Schiff,
Die Segel gebläht von falschem Ruhm,
Die Planken trotzend jedem Riff.
Das Schiff legte an, am dämmernden Abend,
Ein Pesthauch, der den Strand vergiftet;
An Bord Schwarze Seelen, an Angst sich labend,
Den Lockruf sprechend, der Leben vernichtet.
Und eine Planke berührte den salzigen Pier,
Ein Flüstern erscholl, düster, verführend
Eine magische Formel, triefend vor Gier,
An glücklichen Herzen unselig rührend.
Am Fuße der Klippen, am tosenden Meer,
Dort kniet ein Mann - das Herz ist ihm schwer,
Er kann nicht verstehen, was damals geschah,
Als sein Schatz wurde Opfer dieser Gefahr.
Ihr Griff löste sich, er konnt' sie nicht halten,
Sie schritt auf die Planke, des Willens beraubt,
Entgegen den Seelen, den schwarzen, den kalten,
Die warten und lauern und lenken ihr Haupt.
Das Schiff legte ab mit lebender Beute,
Die Segel spannten: Todschwarze Häute,
An Bord die Seelen geraubter Bräute,
Die Meere durchpflügend von damals bis heute.
Am Fuße der Klippen, am tosenden Meer,
Dort kniet ein Mann - das Herz ist ihm schwer,
Jedes Jahr kommt er her, zur gleichen Zeit,
Auf Wiederkehr hoffend, in Ewigkeit.
Doch sein Wille wird schwach, die Hoffnung nimmt ab,
Der Himmel wird schwarz, und das Wissen obsiegt,
Daß grünes Wasser bildet ihr Grab,
Am Grunde des Meeres friedlich sie liegt.
Am Fuße der Klippen, am tosenden Meer,
Dort liegt ein Mann, von Wasser umschwemmt,
Die Kleidung vom Ozean kalt und schwer,
Kein Mensch mehr seinen Namen nennt.
Ende
©Nils Herzog
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