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geschrieben am: 25.01.2003 um 17:24 Uhr
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Am Strande der Ostsee, in der alten See- und handelsstadt Danzig, war schon seit langer Zeit ein munteres, freundliches Kind gesehen worden, mit blondem Haar und blanken Augen. Es trug ein blaues Kleid, mit Silber besetzt, und ein Silberband im Haar; deshalb wurde es von den Leuten umher allgemein das Silberkindchen genannt. Wo irgend ein paar Menschen sich von Herzen lieb hatten, zu denen trat es heran, sprach mit ihnen, sang ihnen hübsche Lieder vor und machte ihnen Freude, wo es nur konnte. Keiner wußte, wem das kleine Wesen gehörte, aber es fragte auch niemand danach. Auch daran hatte sich jeder schon gewöhnz, daß das Kind immer eine silberne Lilie und ein Körbchen in der Hand trug. Die Leute meinten, daß ist nun einmal so, was soll man sich darüber den Kopf zerbrechen.
Das Silberkindchen war auch nich gewöhnlicher Art; es steckte etwas ganz Besonders dahinter. Nicht nur mit Menschen ließ es sich ein, es verstand auch die Sprache des Meeres, der Sterne, der Silberpappeln, der Erdmännchen und alles dessen, was in der Welt einen klaren Silberschein hat oder mit dem Silber in Berührung kommt. Daher nannten es manche auch das Silber-Elfchen.
Als nun wieder einmal der Frühling nahte, der April vor der Tür war, sah man das Kindchen in ganz besonderer Unruhe. Während es sanft einem jeden freundliche Rede stand, der es nur ansprach, rief es jetzt jedem zu:
"Hab keine Zeit,
kann nimmer ruhn;
hab viel zu schaffen,
hab viel zu tun!"
Das Silberkindchen schritt über den Holzmarkt dem hohen Tore zu.
Als nun das Kind aus der Stadt und dem Menschengewühle heraus ist und sich allein glaubt, entfaltet es plötzlich an den Schultern ein Paar zarte Schmetterlingflügel und fängt an zu fliegen, immer mit dem Winde um die Wette, über die große Lindenallee fort, über Fluren und Wälder, bis zum Adlerhorst, wo die grünen Kiefern ihre Wurzeln in den Wellen der Ostsee haben.
Da saß auf einem großen Granitblock ein andere Kind, von frischen fröhlichen Mienen, mit Blumen bekränztz, - und das war der Frühling. Er hatte einen Sonnenstrahl in der Hand und ließ damit Schneeglöckchen und Pirmeln um sich her aus der Erde wachsen.
Als Silber-Elfchen das Kind sieht, läßt es sich aus der Luft zu ihm nieder, erührt es leise an der Schulter und spricht zu ihm: "Frühling kannst du mir Blumen schaffen, die sich für mich schicken?"
Wie nun das Silberkindchen den Frühling um Blumen bittet, nimmt dieser seinen Kranz vom Kopfe und will ihn dem Elfchen geben, das aber weist die Blumen ab und spricht:
"Nein, nein,
deine Blumen vergehn,
wenn Stürme wehnt!
Die Blumen, die ich mein,
müssen echter sein;
in Feuer und Wasser
als echt sich bewähren,
in Sonne und Mond
so recht sich verklären!"
Da merkte der Frühling erst, mit wem er es zu tun hatte, und sprach: "Komm, ich will dich hinführen, wo du Blumen findest, die für dich schcicken." Und so nahm er das Silberkindchen bei der Hand und zog mit ihm fort durch den Kiefernwald, bis sie zu einer Grotte kamen, am Ufer des Meeres. An der Grotte saßen drei holde Seejungfrauen, die hatten sich silberne Blumen aus der Tiefe des Meeres heraufgeholt, dorther, wo keine Stürme wehen, bis die Sonne nichts mehr verbrennt und der Winter nichts zu Eis gefreien läßt. Sie banden schöne Gewinde, Kränze und Sträuße aus den Blumen und sagen dabei wundervolle Melodien. Wie freuten sie sich, als sie die beiden fröhlichen Kinder sahen. Ehe Silber-Elfchen sie noch gebeten, wußten sie schon seit Begehren, denn es waren gar weise Jungfrauen. Alsbald rechten sie ihm daher die silbernen Kränze und Blumen genau so, wie das Kind es wünschte.
Nachdem Silberkindchen Kranz und Strauß in sein Körbchen getan, dankte es den Seejungfrauen mit freundlichen Blicken und nahm von dem Frühling Abschied. Es wollte wieder nach der Stadt fliegen, um sich dort noch manche andere Dinge zu holen. Schnell erhob es seine Flügel und flog den Weg zurück, den es gekommen, bis mitten in die Stadt, woe es sich endlich in der Goldschiedegasse niederließ.
Da zog das Silber-Eflchen seine Flügel ein und ging, wie jedes andere Kind nicht durch Schlüsselloch, sondern durch die Tür eines Hauses und durch hausflur, Gang und Hof, bis es in die Wekstätte eines Goldschmiede eintrat. Wer aber nicht zu Hause war, das war der Meister Goldschmied und die Frau Meisterin. Nur ihre zwei Kinderchen saßen an der Erde und besahen ein silbernes Bilderbuch. Das Elfchen nahte sich ihnen, ohne daß sie es merkten und guckte ihnen über die Schulter in das Buch. Wie da die Kinder eben an einem Bilde sich erfreuten, auf welchem ein geflügeltes Elfchen abgebildet war, sprach eines von ihnen: "Ach wer das doch einmal wirklich sehen könnte!" - Das rief das Silberkind hinter ihrem Rücken: "Seht euch doch um!" und als sie das taten, siehe, da stand das, was sie eben gewünscht hatten, elibhaftig vor ihnen da. -
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