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geschrieben am: 22.12.2002 um 14:50 Uhr
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Die Frau, die in einen Wolf verwandelt wurde
Es war einmal in einem Haus eine böse Frau, und diese böse Frau hatte zwei Töchter. Die dritte Tochter, die Stieftochter, war getauft. Die böse Frau erwartete Freier für ihre eigenen Töchter. Den eigenen Töchtern legte sie feinen Flachs vor, der Stieftochter aber grobes Werg; sie liess die Mädchen spinnen. Als die Freier kamen, da sahen sie, dass die Christentochter einen besseren Faden aus dem Werg spinnt als die Töchter der bösen Frau aus Flachs. Die Freier schauten sich alles an und gingen wieder weg. Sie kamen ein zweites Mal. Wieder spannen die Mädchen, und die Freier warben um die Stieftochter. Die alte Frau wurde böse, weil ihre Töchter nicht genommen wurden. Es verging einige Zeit in Erwartung der Hochzeit. Nun wurde der einen eigenen Tochter eine Schürze um die Taille gelegt, ein verzierter Kopfputz aufgesetzt, und die getaufte Tochter wurde an den Dorfweg gebracht. Dort neben dem Dorf befand sich eine Quelle und am Rand der Quelle ein altes Gefäss, das für die Quelle da war, das aber noch nicht in die Quelle gestellt worden war. Nun wurde das Mädchen, die getaufte Tochter, von der bösen Frau unter dieses Gefäss getan.
Der Tag der Hochzeit kam, und das Hochzeitsgeleit holte die Braut ab. Die böse Frau freute sich, weil nun ihre Tochter verheiratet wurde. So zog man mit der Tochter der bösen Frau dahin und kam an dem Gefäss vorbei, das am Wegrand stand. Von dort rief das Mädchen: "Eine Fremde hast du genommen, die eigene hast du gelassen; mein Saum klingt, meine Schürze zittert!" rief es unter dem Gefäss. Der Junge, der Bräutigam, blieb stehen und lauschte. "Was ruft denn da ?" fragte er die Tochter der bösen Frau. Die antwortete: "Ach ja, wer weiss, was da spukt!" Wieder rief die getaufte Tochter unter dem Gefäss: "Eine Fremde hast du genommen, die eigene hast du gelassen; mein Saum klingt, meine Schürze zittert!" Der Junge sprang vom Wagen herunter und ging nachsehen, was wohl unter dem Gefäss sein mochte. Er hob es auf: Siehe da, es war seine Braut! Sie war nackt unter dem Gefäss. Von der Tochter der bösen Frau nahmen sie nun die Kleider und zogen sie dem Christenmädchen an. Sie warfen die Tochter der bösen Frau unter die Brücke und verhinderten durch Zauberkünste, dass sie von dort wegkam. Dann gingen sie in das Haus des Jungen und feierten dort Hochzeit; auch ich war bei der Hochzeit dabei.
So lebten sie eine Zeitlang. Bald sollte das Mädchen ein Kind bekommen, und die böse Frau erfuhr, dass das Mädchen das Kind in der Sauna zur Welt bringen würde, aber sie wusste nicht, welche Tochter, ihre eigene oder die getaufte. Sie glaubte nämlich, dass die Stieftochter immer noch unter dem Gefäss sitzt. Sie meinte: "Ich muss doch nach der Tochter sehen gehen, wenn sie in der Sauna ist!" Sie backte alles mögliche und ging hin. Unterwegs kam sie zu der Brücke. Da sah sie eine schöne Blume, die durch die Brücke hindurch gewachsen war. Sie wollte sie abbrechen und sagte: "Die bringe ich meinem Enkelkind, damit kann es spielen!" Sie versuchte, die Blume zu pflücken. Da sagte die Tochter: "Mutter, zertrenne mir nicht die Nabelschnur!" Wieder versuchte die Frau, die Blume zu brechen, denn sie glaubte nicht, dass das der Nabel ihrer Tochter sei. Die Tochter rief wiederum: "Mutter, zertrenne mir nicht die Nabelschnur!" Die Mutter schaute unter der Brücke nach: Da fand sie ihre eigene Tochter. Sie nahm sie mit, und die Tochter erzählte, wie es sich zugetragen hatte, wie sie unter die Brücke gekommen war.
Die Tochter der bösen Frau hatte keine Brustwarzen. Die Mutter fertigte ihr welche aus Birkenrinde, tat Wasser hinein, und dann gingen Mutter und Tochter in die Sauna nach dem getauften Mädchen schauen. Auf dem Hof war eine Magd angestellt. Inzwischen kamen sie auf den Hof. Der Herr des Hauses und die Magd, also der Ehemann und die Magd, waren arbeiten gegangen. Die böse Frau tat der Stieftochter ein Wolfsfell über und schickte sie in den Wald. Die Magd aber sah zufällig, wie die böse Frau das tat. Die Tochter der Bösen blieb nun dort.
Der Mann lebte von nun an mit der Tochter der bösen Frau zusammen und wusste von nichts, denn sie sahen sich sehr ähnlich. Das böse Mädchen gab dem Kind die Brust, Wasser gab sie dem Kind. Die Magd schaute nach, warum das Kind weint, und sie beobachtete die Frau. Da sah sie, dass diese Brustwarzen aus Birkenrinde hatte und dass Wasser darin war. Das Kind weinte bei Tag und bei Nacht; natürlich, es bekam ja nichts zu essen.
Geändert am 22.12.2002 um 14:52 Uhr von Smaragdwoelfin |
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