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geschrieben am: 30.06.2003 um 21:25 Uhr
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Angela Teil 3.
Der Einkauf
Sie schläft. Sie liegt auf der Seite, das seidene Tuch über ihren Augen ist verrutscht, das schwarze weiche Seil und ihr Haar ein schöner Kontrast zu ihrer weißen Haut. Sie hat irgendwas gemurmelt, als
ich die Decke wegzog, doch sie schlief weiter. Nun liegt sie vor mir, in ihrer ganzen Pracht, und ich ertappe mich dabei, dass ich wie ein Idiot grinse. Seitdem sie in mein Leben gerauscht ist, so ganz nebenbei alle Grundfesten erschüttert hat, passiert mir das häufig.
Nur ihre Hände sind gefesselt, ein kurzes Stück Seil, das an einem Haken am Kopfende des Bettes festgemacht ist. Sie schläft mit ihren Händen in Kinn und Kopfhöhe, auch wenn sie nicht gefesselt ist, und das Seil erlaubt ihr dieses. In den letzten zwei Wochen habe ich die Seillänge solange variiert, bis sie es kaum mehr stramm zieht. Der Knoten um ihre Handgelenke ist wohl in keinem Seemannsbuch zu finden, auch er solange variiert, bis er sich nicht mehr zuzog, und nun fest und zugleich sanft ihre Hände bindet. Ein Glücksfall, dieses Seil. Ich beuge mich vor, und mustere ihre Handgelenke, keine Reibungsrötungen. Endlich. Ich kann mich noch erinnern, wie erschreckt ich war, als sie mich geweckt hat, und ihre Hände blau waren.
Wir haben uns heute beide frei genommen, und es ist recht spät für sie, aber ich habe sie auch nicht viel schlafen lassen, gestern Nacht. Sie hat ziemlich heftig geflirtet.. ich lächele. Nur auf einer Pobacke ist noch eine leichte Rötung zu sehen, und auf ihrem linken Busen. Ihre Nippel sind noch immer leicht geschwollen...
Ihr Mund ist leicht offen, das Weiß ihrer Zähne ist zu sehen. Sie schläft noch tief und fest, wacht auch nicht auf, als ich vorsichtig das seidene Band löse, damit ich ihr Gesicht sehen kann. Vorsichtig streife ich den Vorhang ihrer Haare zur Seite. Sie wirkt jung so, wie ein Kind, das Gesicht entspannt, ruhig, friedlich. Wenn sie aufwacht, wandelt sich ihr Gesicht, wird lebhaft, ausdruckvoll, geheimnisvoll, zeigt Dutzende anderer Gesichter, aber jetzt ist sie nur sie. Heute Nacht kam sie nicht dazu ihr Haar zu einem Zopf zu binden, wie sie es sonst tut, es breitet sich aus um sie, ein Halo aus Haar... es hat mich geweckt, ich habe es eingeamtet. Ich lächele.
Ich decke sie wieder zu, sie murmelt etwas und kuschelt sich tiefer in die Decke, und ich gehe runter, setze Kaffee auf, und gehe etwas spazieren. Rein Zufällig am Bäcker vorbei, und da ich nun mal schon da bin.... Croissants. Sie mag Croissants, warm mit frischer Butter. Cholesterin ist ungesund, sagt sie. Ich schau nach, sie schläft immer noch, also arbeite ich noch ein wenig. Als ich das nächste Mal nachsehe, räkelt sie sich auf dem Bett, zieht an dem Strick, ihre Augen immer noch verschlafen und verträumt als sie mich unter schweren Lidern ansieht. Sie lächelt. Der Tag hat begonnen. Erst jetzt, in diesem Moment, wo ihr Blick uns wieder verbindet. Ich stelle das Tablett auf dem Nachtisch ab, gebe ihr einen Kuss, hake das Seil aus, und sie fängt mich mit gefesselten Händen ein.. gibt so einen undefinierbaren Ton von sich, riecht nach warmer Frau. Beinahe werde ich schwach, aber ich habe heute etwas vor mit ihr. Ich befreie mich, es dauert länger als gedacht, und ich muss sie etwas kitzeln, um mich in Sicherheit zu bringen. Sie lacht. Ich kenne keinen Menschen, der soviel lacht wie sie.
Sie runzelt die Nase, nimmt Witterung auf wie ein Hund. "Hhhm... Crossiiieees!" Jetzt lache ich. Sie schafft das immer ganz leicht. Ich öffne den Knoten, wickele das Seil ab, setze mich auf die Bettkante, und trinke langsam meinen Kaffee, während sie die Croissants vernichtet, dick mit zerlaufender Butter bestrichen, und mir von ihrem Traum erzählt. Er ist, wie üblich, farbenprächtig, Cinemascope, und wirr... und ergibt doch einen Sinn. Ein weiteres Kleinod für mich. Ein kleiner Fischkutter mit bunt bemaltem Rumpf, einem Regenbogen, und eine Möwe. Sie ist sich nicht sicher, ob sie die Möwe ist, oder der Fischkutter, aber dann ist der Fischkutter auf Schienen und zieht etwas in die Stadt, sie weiß nicht was es ist, will sich nicht umdrehen, weil so schwer, aber es ist wichtig, und dann ist die Last weg, und sie fällt vor Überraschung hin, liegt in einem Tutu auf der Bühne. Schwanensee.. und sie hat keine Schuhe an. Wenn sie jetzt tanzt, wird sie sich die Füße blutig tanzen, aber sie steht auf, und fängt an zu tanzen, alle schauen Hin, volles Haus, kein Ton aus dem Publikum, alle warten sie ob sie noch einmal stürzt, aber dann bekommt sie Flügel, und kann ohne Schuhe fliegen. Sie lächelt, als sie das sagt, und leckt sich Butter und Krumen von den Fingern ab, ich sehe fasziniert zu. Eine Katze. Meine Katze. |
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