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geschrieben am: 10.05.2003 um 22:33 Uhr
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Eines Tages, müde vom vielen Wandern, setzte sich der kleine Flügelhändler neben eine alte, verlassene Windmühle. Ihre Flügel waren zerbrochen und konnten sich schon lange nicht mehr im Winde drehen.Einsam und traurig stand sie auf einem kleinen Berg. Manchmal weinte sie. "Komm herein, komm in meine Tenne und ruh dich aus,"sagte sie zu dem kleinen Flügelhändler. "Sie ist staubig, aber sie ist warm, und wenn du bei mir bist, bin ich nicht so einsam." Der kleine Flügelhändler legte sich in der Tenne auf ein Bündel Stroh und schlief die ganze Nacht. Am nächsten Morgen schenkte er der kleinen Windmühle zum Dank vier neue Flügel: einen roten, einen blauen, einen gelben und einen grünen Flügel. Überglücklich begann sie ihr Rad zu drehen, zuerst langsam und dann schneller und schneller wie früher, vor langer, schon fast vergessener Zeit. Ein Müller auf einem Weizenfeld sah es von weitem, packte seine Garben und rannte zur Windmühle hinauf.Und der kleine Flügelhändler wanderte weiter. Als er am Fuß des Berges ankam, drehte er sich noch einmal um und rief:
Auf Wiedersehn, kleine Windmühle!
Mahle dein Korn, kleine Windmühle
Mahle, mahle, mahl es fein!
Aber das viele Wandern machte den kleinen Flügelhändler müde und müder. Eines Abends stellte er seinen Korb unter eine große Eiche und schlief sofort ein. Während der Nacht kam ein mächtiger Sturm. Es war ein gehässiger Wind, der Lüfte alleine beherrschen wollte, er war schon lange eifersüchtig auf die vielen Flügel, die der kleine Junge verteilte. Als er den Korb sah, wirbelte er ihn mit seiner ganzen Kraft so lange durch die Luft, bis er mit allen Flügeln im Meer versank. Seit diesem Tag haben die Wellen bei hohem Seegang weiße Kronen. Das sind die Flügel, die sich aus dem Wasser befreien und wegfliegen möchten.
Als der kleine Flügelhändler am nächsten Morgen aufwachte, suchte er verzweifelt nach seinem Korb! Bitterlich weinend wanderte er ziellos umher und dachte an all die Vögel und Insekten, denen er nie mehr würde Flügel schenken können. Ganz erschöpft setzte er sich letztendlich mitten in ein Feld voller Mohnblumen.
Eine kleine schwarze Raupe sah ihn dort und war so bewegt von seinem Kummer, daß sie ihn zu trösten versuchte:"Sei nicht traurig, denk nicht an die Flügel, die du verloren hast. Denk an all die Flügel, die du verschenkt hast! Denk an all die Vögel und Insekten, die dank dir jetzt fliegen können! Bitte, mir zuliebe, weine nicht mehr! Schau mich an, schau wie häßlich ich bin, und ich weine trotzdem nicht!" "Wie freundlich du bist, Raupe,"antwortete der kleine Flügelhändler,"dir zuliebe will ich nicht mehr weinen. Oh, wenn ich doch bloß ein paar Flügel für dich hätte! Die schönsten Flügel würde ich dir schenken-Flügel so schön wie eine blühende Blume."
Da flüsterte eine Mohnblume, die mitgehört hatte: "Pflück mich, kleiner Junge. Nimm meine Blütenblätter, sie werden perfekte Flügel für deine Raupe sein!" Der kleine Flügelhändler strahlte und nahm sorgfältig zwei Blütenblätter von der Mohnblume. Er legte sie auf den Rücken der schwarzen Raupe und schon flatterte sie dankend vor ihm und flog dann weiter von Blume zu Blume. So wurde die kleine häßliche Raupe zum ersten Schmetterling - zauberhaft schön, wie eine blühende Blume!
Noch am selben Abend legte sich der müde kleine Flügelhändler neben einen Bach und fiel sofort in einen tiefen Schlaf. Er schlief und schlief. Tausende von Vögeln, Libellen und Schmetterlinge setzten sich zu ihm und warteten bis er aufwachen würde. Die Nachtigall sang ihre schönste Melodie, die Amsel zwitscherte fröhliche Lieder, der Papagei redete auf ihn ein, das kleine Marienkäferchen kitzelte seine Stupsnase, die Eule rief: "Uhuu" . Doch was immer sie auch taten, der kleine Flügelhändler schlief weiter.
Auf einmal fand eine neugierige Elster in seiner Hosentasche zwei kleine, weiße Flügel, die er dort aufbewahrt und vergessen hatte und die vom gehässigen Wind nicht gefunden und weggetragen wurden. Jetzt waren es die Vögel, die dem schlafenden Jungen Flügel auf den Rücken legten. Da rührte er sich. Mit einem leichten Flügelschlag schwang er sich, von seinen Freunden, den Vögeln, begleitet, in die Lüfte und stieg gegen den Himmel empor.Als Gott hoch oben durch eine sonnenbeschienene Wolke den kleinen Flügelhändler auf sich zufliegen sah, entschied er sich, auch noch ENGEL zu erschaffen |
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!
Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird
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